10 Warnsignale, dass du nur Dienst nach Vorschrift machst


Foto: kennymatic, benötigte Lesezeit: 8 Minuten

Dienst nach Vorschrift

Anfang des Jahres habe ich mich mit einem Freund aus Österreich intensiv über das Thema „unternehmerische Verantwortung“ unterhalten.

Wir haben festgestellt, dass wir gerne Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst unterstellen, dass Sie nur Dienst nach Vorschrift machen … und darüber hinaus keine unternehmerische Verantwortung übernehmen.

Aber sieht die Situation bei Mitarbeitern und Managern in der freien Wirtschaft wirklich viel anders aus?!

Mangelware „Unternehmerische Verantwortung“

Die unternehmerische Verantwortung … als Nährboden für Innovation, Mut, Weitblick, Kundenorientierung, Pragmatismus, Zielstrebigkeit, Konsequenz und Wettbewerbsfähigkeit … wird zunehmend auch in der freien Wirtschaft zur Mangelware.

Nicht nur einfache Mitarbeiter, sondern auch Teile des Managements schalten auf Sparflamme und verrichten zunehmend nur Dienst nach Vorschrift.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen von starren Unternehmensstrukturen … bis hin zur persönlichen Einstellung des Mitarbeiters oder Managers.

Eindeutige Warnsignale

Damit dir als Mitarbeiter oder Manager in der freien Wirtschaft zukünftig niemand unternehmerische Verantwortungslosigkeit vorwerfen kann, erfährst du nachfolgend, in welchen Situationen du zur einer „Dienst nach Vorschrift“-Mentalität neigst, und was du dagegen unternehmen kannst.

10. Du klebst an Routinen fest

Auch deine spannendsten Arbeitstage … voll bepackt mit Kundenbesuchen, Exkursionen, Konferenzen und Auslandsreisen … werden irgendwann … sofern du sie oft genug wiederholst … zur Routine.

Routinen sind per se nichts Negatives. Im Gegenteil … sie schützen dich vor Fehlern, ersparen dir eine Menge Einarbeitungszeit und bewahren dich vor bösen Überraschungen.

Leider sorgen Routinen auch dafür, dass du langfristig die Lust und den Mut verlierst, Neues auszuprobieren und dazuzulernen.

Stattdessen bleibst du lieber an den Vorgaben und Vorschriften hängen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, und machst zunehmend nur Dienst nach Vorschrift:

  • Wenn du nicht bereit bist, Fehler zu machen, dann wirst du dich kaum weiterentwickeln können.
  • Wenn du nicht gewillt bist, die Extrameile zu gehen, dann wirst du immer nur dieselben 08/15-Ziele erreichen.
  • Und wenn du nicht bereits bist, dich auf das Unerwartete einzulassen, dann wirst du auch nie erfahren, welche Möglichkeiten dir offen stehen … auch auf die Gefahr hin, alles zu verlieren.

Durchbrich deine Routinen, indem du des öfteren anders handelst, denkst und fühlst als du es gewohnt bist … Mach Fehler und lerne aus Ihnen, betrachte Einarbeitungszeiten nicht als Verschwendung, sondern als Investition und freue dich auf das Neue.

09. Du ruhst dich auf vergangenen Erfolge aus

Der Verlust der unternehmerischen Verantwortung kann dich schnell ereilen, wenn du anfängst, dich auf deinen vergangenen Erfolgen auszuruhen.

Es ist viel einfacher, über deine glorreichen Tage zu reden und sie in deiner Phantasie immer wieder zu beleben … anstatt dich neuen Herausforderungen zu stellen.

Immer dann, wenn du dich sagen hörst, dass „früher alles besser war“ oder „wie toll du damals gelöst hast“, ist es höchste Zeit, deine Erfolge zu wiederholen … nicht in deinem Kopfkino, sondern in der Realität.

Unternehmerische Verantwortung ist keine Eintagsfliege, sondern eine lebenslange Aufgabe!

08. Du verlässt dich blind auf Autoritäten

Warum solltest du unternehmerische Verantwortung übernehme, wenn es auch andere für dich tun können, z.B. deine Vorgesetzten, Fachexperten, Unternehmensberater oder sonstige Autoritäten?!

Denk immer daran:

  • Autoritäten existieren nur deshalb, weil sie sich selbst für eine Autorität halten und von dir als solche wahrgenommen werden.
  • Autoritäten sind nicht unfehlbar und machen vermutlich genauso viele Fehler wie du.
  • Und je mehr unternehmerische Verantwortung du an Autoritäten delegierst, desto bedeutungsloser wird deine eigene Position.

Werde zu deiner eigenen Autorität, hinterfrage die Ideen anderer Autoritäten und überlege dir selbst, wie du deinem Unternehmen zu größeren Erfolgen verhelfen kannst.

07. Du versteckst dich in der Anonymität großer Unternehmen

Die Anonymität großer Unternehmen ist bestens geeignet, um deine unternehmerische Verantwortung im Keim zu ersticken.

Fehler werden von Teams begangen und können nicht auf Individuen zurückgeführt werden … ähnlich verhält es sich übrigens mit Erfolgen.

Die wenigsten deiner Kollegen wissen, wer du bist … und dir reicht es meistens aus, nur deine engsten Mitarbeiter zu kennen. Alles, was darüber hinaus geht, ist für dich eine Black-Box.

Warum drehst du den Spieß nicht um und bereitest der Anonymität ein Ende?

Steh für deine Leistungen ein. Mach immer wieder deutlich, welchen Beitrag du für das Unternehmen leistest … mit anderen Worten: „Tue Gutes und sprich darüber!“

Interessiere dich auch dafür, welche Beitrag andere Menschen für dein Unternehmen leisten … nicht nur Kollegen, sondern auch Dienstleister, Kunden, Aufsichtsbehörden, Investoren, usw.

Vernetze dich mit ihnen, geh mit Ihnen ein Kaffee trinken oder verabrede dich gleich zu einem gemeinsamen Lunch Date.

06. Du hast keine Ahnung, was auf dem Spiel steht

Zugegeben … es ist nicht immer ganz einfach vorauszusehen, welche Belohnungen für dich am Ende des Tages herausspringen werden, wenn du für eine bestimmte Aufgabe die Verantwortung übernimmst.

Es muss nicht gleich eine satte Gehaltserhöhung, ein schicker Geschäftswagen oder ein Büro mit eigener Assistenz sein.

Die gesammelten Erfahrungen, Weiterbildungsangebote oder die Wertschätzung des Managements sind ebenfalls nicht zu unterschätzende Prämien und wichtige Investitionen in deine zukünftige Karriere.

Werde dir immer dessen bewusst, was für dich auf dem Spiel steht. Damit fällt und steht deine Motivation, Dienst nach Vorschrift zu machen.

05. Du traust dich nicht aus deiner Komfortzone heraus

Die Übernahme unternehmerischer Verantwortung ist … genauso wie die Verrichtung des Dienstes nach Vorschrift … reine Übungssache.

Je häufiger du dich aus deiner Komfortzone heraus traust, desto weniger wird es dir ausmachen, Situationen vorauszudenken, Entscheidungen herbeizuführen, Dinge umzusetzen und Veränderungen zu begleiten.

Nutze jede Gelegenheit … sei es die Organisation der Weihnachtsfeier oder die Vorbereitung eines wichtigen Meetings … um zu beweisen, dass du kein „Dienst nach Vorschrift“-Täter bist.

04. Du lässt nur deine Teammitglieder schuften

Teamarbeit ist wichtig und in manchen Situationen sogar unabdingbar … dennoch solltest du nicht bei jeder Gelegenheit deine gesamte unternehmerische Verantwortung und die damit verbundenen Aufgaben auf deine Teammitglieder verteilen … oder hoffen, dass sich jemand findet, der die Initiative ergreift (vgl. dazu auch Punkt 08.).

Zum Einen wird es im Laufe der Zeit auffallen, dass du dich vor herausfordernden Aufgaben immer wieder drückst und lieber deine Teammitglieder schuften lässt.

Zum Anderen wird sich früher oder später einer deiner Vorgesetzten die Frage stellen, wozu das Unternehmen dich noch länger braucht.

Der erste Fall allein wäre schon ziemlich bitter. Der zweite Falls könnte für deine Karriere tödlich sein.

Übernimm unternehmerische Verantwortung so oft du kannst und packe selbst mit an.

03. Du fokussierst dich lieber auf Prozesse anstatt auf Ergebnisse

Dein Arbeitsalltag ist schon komplex genug. Die Vielzahl an Vorschriften, Vorgaben und Prozessen versperrt dir aber zusätzlich den Blick für das Wesentliche … nämlich die Ergebnisse, die am Ende der Prozesskette stehen.

Du weißt zwar genau, was du wie machen musst … oder woran es liegt, wenn etwas nicht funktioniert … aber du vergisst schnell, welche Ergebnisse du am Ende eigentlich erreichen willst … und ob es sich für diese Ergebnisse lohnt, zu tief in die Prozesse einzutauchen oder doch lieber einen pragmatischen Ansatz zu wählen.

Anstatt dich auf die Lösung von Problemen zu konzentrieren … verfällst du … analog einem „Dienst nach Vorschrift“-Täter … der stupiden Einhaltung und Perfektionierung von Prozessen und Vorschriften.

Diese Vorgehensweise kostet dich Zeit, Energie und führt in der Regel zu einem unausgewogenen Aufwand-Ertrag-Verhältnis.

Zäume deshalb „das Pferd“ von hinten auf:

  • Überleg dir im ersten Schritt, „was“ bzw. welches Ergebnis du erreichen willst, z.B. Festnetztelefon für deinen neuen Arbeitsplatz.
  • Denk dann im zweiten Schritt darüber nach, „warum“ dieses Ergebnis für dich bzw. dein Unternehmen wichtig ist, um dessen Bedeutung zu bestimmen, z.B. für dich als Vertriebsmitarbeiter wichtig für die Kundenakquise und Abstimmung mit anderen Abteilungen.
  • Überleg dir dann im dritten und letzten Schritt, „wie“ du dein Ziel erreichen willst bzw. welcher Prozess hierfür gerechtfertigt ist, z.B. mündliche Abstimmung mit Vorgesetzten und kurzer Emailauftrag an zuständige IT-Abteilung anstatt mehrseitige Bittschrift an Vorstand, offizieller Brief an Vorgesetzten und ein Auftrag in Roman-Länge an IT-Abteilung.

02. Du umgibst dich mit den falschen Menschen

Ob du Dienst nach Vorschrift machst oder unternehmerische Verantwortung übernimmst, hängt nicht nur von dir selbst ab … sondern auch von den Menschen, die dich Tag ein, Tag aus umgeben.

Denn du bist in der Regel der Durchschnitt von fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst. Diese fünf Menschen bilden deine Peer Group und werden dein Denken und Verhalten nachhaltig beeinflussen.

Konstruktive, aufgeschlossene und zielstrebige Mitglieder werden dich zu einem Menschen mit starkem Charakter entwickeln … Pessimistische, selbstverliebte und ziellose Menschen werden aus dir einen Menschen mit schwachem Charakter machen.

Achte deshalb genau darauf, wer zu deiner Peer Group dazugehört.

01. Du bist nicht konsequent genug

Mit unternehmerischer Verantwortung sind nicht nur Tugenden wie Innovation, Weitblick, Mut usw. verbunden … sonder auch das Eingestehen von Fehlern und das Ziehen von Konsequenzen.

„Dienst nach Vorschrift“-Täter geben selten eigene Fehler zu, sondern machen dafür lieber Umstände und Vorschriften verantwortlich … und sind noch seltener bereit, für die Folgen ihrer Fehler die Verantwortung zu übernehmen.

Lerne deine Fehler einzugestehen und übernimm für ihre Folgen die Verantwortung, um dich von einem „Dienst nach Vorschrift“-Täter zu einem unternehmerisch verantwortungsvollen Mitarbeiter oder Manager zu entwickeln.

Woran erkennst du, dass du nur Dienst nach Vorschrift machst?

In welchen Situationen tendierst du dazu, ein „Dienst nach Vorschrift“-Täter zu werden? Welche Situationen fördern deine unternehmerische Verantwortung als Mitarbeiter oder Manager in der freien Wirtschaft? Teile deine Erfahrungen im Kommentarfeld mit.

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2 Responses to “10 Warnsignale, dass du nur Dienst nach Vorschrift machst”

  1. DonBor Februar 28, 2012 at 12:53 pm #

    Ich Stimme deinen Warnsignalen im Großen und Ganzen zu. Aber wie soll ich in meiner Firma unternehmerische Verantwortung übernehmen, wenn mein Chef es nicht zulässt und ich von meinen Kollegen dafür nicht gerade viel Beifall ernten werde?

    • Alexander März 16, 2012 at 6:15 pm #

      @DonBor: Gute Frage eines noch nicht unternehmerisch Verantwortlichen … Unternehmerisch Verantwortung ist kein Kindergeburtstag. Wenn du sie wirklich übernehmen und leben willst, musst du schwitzen, Kritik einstecken und viele andere fiese Dinge ertragen.

      Bereite deine Umgebung schrittweise auf dieses Thema vor: Stelle dich zuerst auf deine Umgebung ein, gewinne danach ihr Vertrauen und entwickle sie erst zum Schluss in die gewünschte Richtung. Hoffe, das hilft?!

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