Warum du ohne Buzzwords keine Karriere machen wirst?! (Teil 1)


Foto: crsan – christianholmer.com, benötigte Lesezeit: 4 Minuten

Alltäglicher Buzzword-Wahnsinn

Buzzwords sind aus deinem Berufsalltag nicht mehr wegzudenkenden.

Du hörst sie in fast jedem Meeting. Du liest sie in nahezu jeder Fachzeitschrift. Und du siehst sie in fast jeder Präsentation:

  • „Wir werden bilateral die Showstopper identifizieren und uns über die Best Practice-Ansätze aufschlauen.“
  • „Die Key Player haben proaktiv eine Task Force gebildet und damit eine zeitnahe Fertigstellung der Deliverables sichergestellt.“
  • „Pragmatische Guidelines als Fast Track zum State-of-the-Art Output.“

Buzzwords sind eine magische Mischung aus Anglizismen, Prägnanz, Wohlklang, Vereinfachung, unbewusster Überzeugungsabsicht und viel heißer Luft.

Das kann dich manchmal in den Wahnsinn treiben … vor allem dann, wenn du die Bedeutung der einzelnen Buzzwords nicht verstehst, nicht genau weißt, wie du sie am besten anwenden kannst oder warum du ohne sie niemals Karriere machen wirst.

Ohne Buzzwords keine Karriere

Fangen wir mit dem „Warum?“ an.

Es gibt drei Gründe, warum Buzzwords ein Beschleuniger für deine Karriere sind:

Erstens sind Buzzwords Teil einer Fach- oder Geheimsprache unter Gleichgesinnten. Sie helfen dir, mit deiner Peer Group komplexe Sachverhalte schnell, präzise und verständlich auszutauschen, um dich dann wieder auf das Wesentliche in deinem Job konzentrieren zu können.

Wenn du diese Geheimsprache nicht beherrschst, dann gehörst du nicht mehr zum Zirkel der Gleichgesinnten dazu. Du bleibst von wichtigen Informationen ausgeschlossen und verlierst viel Zeit damit, deine eigenen Gedanken auszudrücken oder die Gedanken anderer zu begreifen.

Zweitens haben Buzzwords eine starke Signalwirkung nach Außen. Du wirst von deinem Umfeld in der Regel als professioneller wahrgenommen, wenn du Buzzwords gezielt und korrekt einsetzt.

Wenn du es nicht machst, stellt sich dein Umfeld indirekt die Frage, ob du von deinem Fach überhaupt etwas verstehst.

Drittens sind Buzzwords die Domäne des Managements. Kein andere Ebene im Unternehmen verwendet mehr und häufiger Buzzwords als die Führungsebene … Hier ist ein Beispiel aus dem Hause SAP.

Der einfache Mitarbeiter behält es sich in der Regel nur vor, sich über die Buzzwords der Entscheider zu amüsieren … Lies dir dazu die Kommentare zu dem SAP-Video durch.

Wenn du in deinem Leben Entscheidungen nicht nur ausführen, sondern eines Tages auch selbst treffen willst, dann solltest du dich auf diesen Tag schon heute vorbereiten.

Mach dich mit den wichtigsten Buzzwords in deinem Umfeld, Branche, usw. vertraut und verinnerliche diese … denn ohne Buzzwords wirst du es niemals ins Management schaffen bzw. dort auf Dauer bestehen können.

Wichtigste und am häufigsten benutzte Buzzwords

Jetzt kommen das „Was?“ und „Wie?“.

Im ersten Teil der zweiteiligen Serie lernst du die ersten 21 von 46 wichtigsten und am häufigsten benutzten Buzzwords kennen, die deine Karriere beschleunigen werden … mit Definitionen und konkreten Anwendungsbeispielen.

Lerne diese Buzzwords auswendig und wende sie bei jeder Gelegenheit mit Maß und Verstand an:

46. Arbeitshypothese

Eine noch zu präzisierende Annahme, auf deren Basis bereits erste Ergebnisse erarbeitet werden können, z.B. „In dieser Grafik sehen Sie die Entwicklung der Verkaufszahlen unter der Arbeitshypothese, dass das Marktwachstum jährlich +5% betragen wird.“

45. Aufschlauen

Dich über etwas genau informieren, z.B. „Bevor ich in das Gespräch mit den Kollegen aus der Finanzabteilung gehe, schlaue mich über die Budgetplanung auf.“

44. Benchmark

Bestes Produkt, Unternehmen, usw. … im Vergleich zu anderen, z.B. „Apple bildet derzeit mit seinem iPad die Benchmark für alle Touchpad-Anbieter.“

43. Best Practice

Methoden, Praktiken oder Vorgehensweisen, die sich in der Umsetzung erfolgreich bewährt haben, z.B. „Hier sehen sie ein Best Practice-Beispiel zur Einführung des neuen CRM-Systems im Bereich Health Care.“

42. Bilateral

Abstimmungen, Gespräche, usw., die ausschließlich zwischen zwei Beteiligten stattfinden, z.B. „Der Personalvorstand stimmt sich zuerst bilateral mit Finanzvorstand ab, bevor er seine Pläne dem Betriebsrat vorstellen wird.“

41. Brainstorming

Methode zur Generierung von neuen und ungewöhnlichen Ideen innerhalb einer Gruppe. Dabei sind das Aufgreifen, Umgestalten oder Kombinieren von bereits bekannten oder geäußerten Ideen ausdrücklich erlaubt. Kritik und Wertungen der Beiträge dagegen sind strengstens verboten, z.B. „Lassen sie uns mithilfe eines Brainstormings neue Ansätze identifizieren, wie wir den Absatz unserer Produkte ankurbeln können.“

40. Challenge

Herausforderung, z.B. „Die Übernahme des größten Wettbewerbers wird für uns zu einer großen Challenge.“

39. Change

Veränderung, z.B. „Unser Produkt wird zu einem radikalen Change im Bereich E-Commerce führen.

38. Commitment

Ausmaß der Hingabe einer Person im Bezug auf sein Unternehmen, Aufgaben, Ziele, usw., z.B. „Der dahinscheidende Vorstandsvorsitzende hat „Null-Komma-Null“ Commitment ggü. seinen Aufgaben und Pflichten an den Tag gelegt.“

37. Corporate Identitiy

Aufeinander abgestimmter Einsatz von Verhaltensweisen, Kommunikationsmaßnahmen und Erscheinungsbildern, die dem Unternehmen sowohl nach außen als auch nach innen eine eigene Persönlichkeit verleihen; wird häufig mit CI abgekürzt, z.B. „Das Layout der Stellenausschreibung ist leider nicht CI-konform.“

36. Deliverable

Endergebnis, das am Ende eines Projektes an den Auftraggeber ausgeliefert wird, z.B. „Als Deliverables werden Sie eine Präsentation und ein umfassendes Fachkonzept erhalten.“

35. Digital

Logische, inhaltsgetriebene Sprache und Denkweise … auch als „1er und 0er-Modus“ bekannt, z.B. „Der IT-Vorstand vertritt seinen neuen Kurs gegenüber der Presse äußerst digital.“

34. Fast Track

Schnellster Weg, um ein Ziel zu erreichen, z.B. „Die Übernahme des größten Wettbewerbers wird ein Fast Track zur Marktführerschaft im Privatkundengeschäft sein.“

33. Gap

Lücke, Diskrepanz, z.B. „Der Gap zwischen den geplanten und tatsächlich erreichten Absatzzielen ist unverhältnismäßig hoch.“

32. Guidelines

Leitlinien, z.B. „Wir brauchen einheitliche Guidelines für das gesamte Unternehmen.“

31. Incentives

Materielle (Geld, Firmenwagen, …) oder immaterielle (Titel, Lob, …) Anreize, um die Leistung, Motivation, Loyalität, … einzelner Personen oder Gruppen zu erhöhen, z.B. „Die materielle Incentivierung allein wird die Kreativität unserer Mitarbeiter auf Dauer nicht erhöhen können.“

30. Kernkompetenz

Fähigkeit einer Person oder eines Unternehmens, die sie oder es im Vergleich zu Wettbewerbern besser ausführen kann und dadurch einen deutlichen Wettbewerbsvorteil erzielt, z.B. „Zu unseren Kernkompetenzen zählen Währungs- und Zinsgeschäfte.“

29. Key Player

Schlüsselperson oder -unternehmen, z.B. „Der Markt für Rasenmäher wird von drei Key Playern dominiert, die zusammen einen Marktanteil von ca. 90% halten.“

28. KPI (Key Performance Indicator)

Leistungskennzahl, mit deren Hilfe der Erfüllungsgrad eines vorher festgesetzten Ziels gemessen wird, z.B. „Die Umsatzrendite gehört in unserer Branche zu den aussagekräftigsten KPIs.“

27. Lenkungsausschuss

Höchstes Entscheidungsgremium im Rahmen einer Projektorganisation … alternativ auch Steering Committee oder Steering Board, z.B. „Der Lenkungsausschuss hat die Fortsetzung des Projektes beschlossen.“

26. Mehrwert

Zusatznutzen eines Produktes oder Dienstleistung, z.B. „Die Kunden lieben unsere Produkte, weil das ausgefallene Design ihnen auch einen emotionalen Mehrwert bietet.“

Welche Buzzwords haben deine Karriere beschleunigt?

Welche Buzzwords waren ein Beschleuniger für deine Karriere? Welche Buzzwords sind nichts als nutzlose Luftblasen? Teile deine „Best Practices“ im Kommentarfeld mit.

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4 Responses to “Warum du ohne Buzzwords keine Karriere machen wirst?! (Teil 1)”

  1. Oliver Tausend Januar 30, 2012 at 3:23 pm #

    Hallo Alexander,

    der denglischen Sprache ist kein Einhalt zu gebieten, nicht wahr? Die Frage, die sich stellt ist doch die: Wie machen wir Karriere, ohne diese Worthülsen zu verwenden?

    Es gibt sicherlich Begriffe wie „corporate identity“ hinter denen sich ein bestimmest Konzept verbirgt und die sich z.T. auf deutsch auch sperrig anhören.

    Aber warum muss man „challenge“ anstatt Herausforderung sagen?

    Super Zusammenstellung, mit einem Schuss Ironie 😉

    Beste Grüsse

    Oliver

    • Alexander Januar 31, 2012 at 11:11 pm #

      @Oliver: Eine sehr gute Frage 😉 Ich denke, dass zumindest Managementkarrieren ohne Buzzwords zunehmend schwieriger werden.

  2. Ulrich Börst Februar 2, 2012 at 10:55 am #

    Hallo Alexander,

    in Ergänzung deiner Liste eine zusätzliche schöne Quelle für aktuelles „Business-Sprech“:
    http://www.ftd.de/karriere-management/management/:buerosprache-neues-futter-fuer-den-businesstalk/202545.html

    Ketzerische Frage im kompletten Zusammenhang: Sind wir nicht mittendrin im Thema Euphemismen und Phrasenschweine?

    Beste Grüße
    Ulrich

    P.S. … und wie ist das mit anderen „Fach/Experten-Sprachen“ – was sagt uns der Onkel Doktor nochmal?

    • Alexander März 16, 2012 at 5:34 pm #

      @Ulrich: Besten Dank für den Link … eine ausgezeichnete Sammlung.

      Meinem früheren Deutschlehrer gegenüber würde ich vom Euphemismus sprechen, meinen Freunden gegenüber von Phrasen-Schweinereien 😉 … kommt stark auf die Zielgruppe an.

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